Ich möchte heute mit dir über Sprache sprechen. Genauer gesagt: darüber, wie Sprache unsere Realität formt.
Klingt erstmal groß. Ist es auch.
Wir erleben täglich Situationen, in denen wir Verbindung schaffen könnten oder sie verlieren. Oft entscheidet der Ton. Der Ton, mit dem wir sprechen. Die Worte, die wir wählen. Die Energie, mit der sie kommen.
Hier bespreche ich das ganze nochmal ausführlicher.
Stell dir vor, du lebst mit jemandem zusammen. Und diese Person lässt ständig ihre Socken liegen. Nervt, oder? Du könntest jetzt losschießen: „Boah, ständig liegen hier deine Socken rum, räum die endlich weg!“ Verstehe ich total. Nur: Das wird beim anderen eher Widerstand auslösen als Veränderung.
Im Englischen gibt es den Satz: „Correction without connection feels like rejection.“
Heißt: Korrektur ohne Verbindung fühlt sich an wie Ablehnung. Das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für uns Erwachsene.
Sprache ist Beziehung und unser Gegenüber hört nicht nur, was wir sagen, sondern auch, was mitschwingt. Kritik klingt schnell nach Ablehnung. Auch wenn wir nur die Socken meinen.
Sprache ist aber nicht nur persönlich, sie ist auch kulturell geprägt. In Bayern klingt sie anders als in Norddeutschland. In Arztpraxen anders als auf Baustellen. Das meine ich nicht wertend, aber es formt unsere Realität. Unsere Wahrnehmung. Unsere Art, uns selbst zu sehen.
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Und ja, Sprache ist immer auch emotional. Selbst wenn wir glauben, „rational“ zu sprechen. Gefühle schwingen mit. In der Stimme. In der Haltung. In jedem Wort. Wer viel Wut erlebt hat, wird oft auch wütend sprechen, selbst wenn er das gar nicht möchte.
Viele von uns sind damit aufgewachsen, dass Gefühle klein gemacht wurden:
„Reiß dich zusammen.“
„Jetzt hör mal auf zu heulen.“
„Davor brauchst du doch keine Angst zu haben.“
Solche Sätze prägen uns und wir tragen sie weiter. In unsere Beziehungen. In unsere innere Stimme. In die Art, wie wir mit unseren Kindern sprechen.
Und genau da wird’s spannend:
Wie oft reden wir eigentlich mit uns selbst so, wie früher mit uns gesprochen wurde?
Wie oft übergehen wir unser eigenes Gefühl, weil es „nicht angebracht“ scheint? Wie oft merken wir gar nicht, dass wir müde, wütend oder traurig sind, weil wir gelernt haben, dass es dafür keinen Platz gibt?
Sprache erschafft Realität und zwar auf vielen Ebenen. Wenn ich meinem Kind sage: „Jetzt stell dich nicht so an“, dann wird es irgendwann anfangen, genau das zu sich selbst zu sagen und sich selbst nicht mehr spüren. Kinder lernen Sprache nicht nur über Worte, sondern über Klang, Energie, Stimmung. Wenn zu Hause ständig Wut ist, wird das zur Grundmelodie. Wenn zu Hause Verbindung ist, dann auch.
Wir können Verbindung schaffen, durch unsere Art zu sprechen. Durch echtes Zuhören. Durch Worte, die neugierig sind, nicht urteilend.
Wir können unseren Kindern (und uns selbst) zeigen, wie sich Sprache anfühlt, die trägt.
Und ja, manchmal explodieren wir trotzdem.
Manchmal ist der Hund vom Nachbarn einfach zu laut.
Und wir schreien, weil es sich über Tage aufgestaut hat.
Aber vielleicht, wenn wir früher ins Gespräch gegangen wären, hätte es gar nicht so weit kommen müssen.
Sprache ist Energie. Und nein – ich meine nicht die esoterische, sondern die echte, spürbare Kraft, mit der wir Dinge sagen.
Sie entscheidet darüber, welche Menschen sich uns verbunden fühlen und welche nicht. Ob wir unsere Grenzen wahren oder sie immer wieder übergehen.
Sprache beeinflusst, wie wir uns selbst sehen und wie unsere Kinder sich selbst sehen.
Also, nächste Frage: Wie möchtest du sprechen?
Wie möchtest du klingen? In deiner Familie, in deiner Partnerschaft, in deinem Inneren?
Du darfst entscheiden.
Jeden Tag neu.
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